Die Kornraden machen sich einfach kleiner, um der Hitze zu widerstehen. Dies und vieles mehr erfuhren die Besucher beim Tag der offenen Tür, zu dem der Fachdienst Umwelt der Stadt Nidderau auf das Gelände des Feldflora-Reservat am Wartbaum eingeladen hatte. Die hochsommerlichen Temperaturen boten Anlass, beim Bewundern der vielfältigen Acker-Wildkrautflora auch Strategien der Pflanzen bei hitzebedingtem Stress zu erkunden.
Botanische Besonderheiten im Fokus
Seltene Arten, wie der Acker-Wachtelweizen, der Acker-Schwarzkümmel und der Großblütige Breitsame, präsentierten sich in voller Blüte. Aufgrund der anhaltend warmen Temperaturen konnten die Gäste bei vielen Acker-Wildkrautarten bereits mehr oder weniger ausgereifte Samenstände beobachten. Ein interaktives Highlight für Groß und Klein: Manch ein Besucher testete fasziniert den natürlichen „Schleudermechanismus“ der Samenstände des Venuskamms.
Anpassung statt künstlicher Bewässerung
Auf großes Interesse stieß die traditionelle Bewirtschaftungsweise des Reservats. Angesichts der Hitze und der Trockenheit kam unter den Besuchern immer wieder die Frage auf: Werden die Pflanzen hier eigentlich bewässert? Die Antwort lautet: nein. Lediglich frisch umgepflanzte Kulturen oder eine Aussaat – wie beispielsweise von Buchweizen –, die direkt in eine Trockenperiode fallen, werden für einen begrenzten Zeitraum gegossen. Dies ist entscheidend, um die natürliche Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an die Umweltbedingungen zu erhalten. Diese Anpassung spiegelt sich letztlich auch im Saatgut wider.
Eine Strategie, wie manche Arten im Feldflora-Reservat mit den extremen Bedingungen fertig werden, zeigte sich eindrucksvoll am sogenannten Kümmerwuchs der Kornraden. Die direkte Reaktion auf den anhaltenden Trockenstress: Die Pflanzen bleiben einfach kleiner.
Ein starkes Signal für den Artenschutz
Der Tag der offenen Tür bot den Besuchern die Möglichkeit zu erkennen, wie stark Acker-Wildkräuter durch die intensive Landwirtschaft gefährdet sind. Dem Erhalt dieser selten gewordenen Pflanzenarten kommt eine große Bedeutung für das gesamte Ökosystem zu – insbesondere als Lebensgrundlage für spezialisierte Insekten, die auf diese Wildkräuter angewiesen sind.
Das Umweltamt der Stadt Nidderau bietet individuelle Führungen durch das Feldflora-Reservat an. Anmeldungen werden erbeten per E-Mail an caroline.vonbernuth@nidderau.de.
Magistrat der Stadt Nidderau
29.06.2026
Andreas Bär
Bürgermeister


