Ja, es gibt sie noch! Zwischen Drogeriemärkten und Online-Shop werden sie aber immer seltener: Schreibwarenläden. Papier, Stifte, Ordner. Dazu ein Sortiment an Schul- und Bastelbedarf, Zeitschriften, Geschenkartikel und Karten zu allen Anlässen – von der Geburt bis zum Todesfall. Die Papiercenter Nidderau GmbH feiert sein 50-jähriges Bestehen. Siegfried Fritz ist quasi von Geburt an mit dabei. Der 73-Jährige gründete die Vorgängerfirma AFR-Bürotechnik am 13. August 1976 im Alter von 23 Jahren. Und er will noch bis zu seinem 85. Geburtstag weitermachen. „Dann schauen wir, wie es weitergeht.“
„Siegfrid Fritz ist ein absolutes Nidderauer Original. Und sein Papiercenter ist eine Institution in unserer Stadt, in der schon Generationen Schulmaterialien, Karten und vieles mehr eingekauft haben“, gratulierte Bürgermeister Andreas Bär zum Jubiläum. Carola Pasold kann das bestätigen. Sie arbeitet seit 45 Jahren im Laden. „Ich bediene heute Mütter, die sich hier schon zu ihrer Einschulung die ersten Hefte ausgesucht haben.“ Die Kundschaft werde dennoch älter. Die Jüngeren fehlen. „Es wundert mich, dass wir uns immer noch halten können, denn rundherum geben die Papierwarengeschäfte auf“, sagt Siegfried Fritz. Die Auswahl, die ständige Erweiterung des Sortiments und Dienstleistungen wie Copyshop, Lotto-Annahmestelle und Postagentur sorgen für Frequenz. „Man verspürt schon eine gewissen Dankbarkeit der Kundschaft“, sagt Carola Pasold.
Siegfried Fitz startete seine berufliche Karriere als Verkäufer bei einem großen Büromöbelhersteller. Als die Branche kränkelte, machte er sich mit zwei Kollegen selbstständig. Die Kollegen stiegen aus. Als es mit Schreibtisch und Drehstuhl auch nicht mehr als Solist lief, wandelte er 2004 das AFR-Bürocenter in das Papiercenter Nidderau um. Doch damit nicht genug: 2002 bot Graf Solms den benachbarten Lebensmittelmarkt zum Kauf an. Fritz schlug zu, ohne eine konkrete Geschäftsidee zu haben. Die lieferte der heutige Ehrenbürgermeister Gerhard Schultheiß. „Gerhard sagte mir, Siegfried, wir brauchen ein Hotel mit Restaurant“, erinnert sich Fritz. Er baute. Er wollte verpachten. Er fand niemanden. Also wurde der gelernte Einzelhandelskaufmann auch noch Hotelier. „Ich bin zum Hotel wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Jetzt bin ich vollständig im Dienst, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag.“ Zeit für Hobbys bleibe keine. Einen Ausflug in die Kommunalpolitik hat er beendet. Aber auch ohne sein Zutun habe sich Nidderau „gut entwickelt“: „Vor allem die Neue Mitte ist ein echter Gewinn. Da hatte ich zunächst große Bedenken.“
Magistrat der Stadt Nidderau
24.09.2026
Andreas Bär
Bürgermeister


