„Wir wussten, dass es anstrengend wird. Wir wussten aber nicht, dass es so anstrengend wird.“ Aber, na klar: Sie würden es immer wieder tun. Constantin Wesner, 29, wird im kommenden Jahr sein Maschinenbaustudium beenden. Der gelernte Feinwerkmechaniker Christof Ewert, 28, bildet sich zum Wirtschaftsingenieur fort. Zuallererst sind die Beiden aber Geschäftsführer. Das Duo leitet die WME Maschinenbau GmbH im Gewerbegebiet am Lindenbäumchen in Heldenbergen. Was die Sache noch ungewöhnlicher macht: Wesner und Ewert haben mit ihrem Team die in die Insolvenz gerutschte Zeiger GmbH reanimiert.
Nidderaus Bürgermeister Andreas Bär machte sich mit eigenen Augen ein Bild von der kleinen Wirtschaftswundergeschichte. „So etwas vermutet man eher in den USA, aber nicht in Nidderau. Dieser Mut ist bemerkenswert. Eine Pleite gegangene Firma wieder auf die Füße zu stellen, verdient allergrößten Respekt“, sagte Bär. Der „Produzent und Entwickler des Vertrauens“, so die Eigenwerbung, ist stark in der Medizintechnik vertreten. Handwerkliche Präzisionsarbeit, Planung, Entwicklung, Konstruktion und Montage: Die WME Maschinenbau bietet durchgängige Prozessketten für vielerlei Industrieanwendungen, darunter der Vakuumtechnik. Feinmechaniker, Zerspannungstechniker, Schweißer und Konstrukteure bilden das zehnköpfige Team.
Die Zeiger GmbH ging 2020 insolvent. Dem Nachfolger Z-Innovation ereilte Ende 2023 das gleiche Schicksal. Wesner, Ewert & Co. waren nicht gewillt, dem tatenlos zuzusehen. Sie erstellten ein Konzept, gestalten Produktionsabläufe effektiver, gaben den zweiten Standort an der Liebigstraße auf, um Prozesse zu optimieren. Der Hanauer Wirtschaftsprüfer Ludger Wösthoff beriet das junge Start-up und stieg schließlich als Investor und Mitgesellschafter ein. Zu den Kunden gehören Weltkonzerne in Hanau, aber auch Unternehmen in Frankfurt und im Raum Friedberg. Die gute Verkehrsanbindung bezeichnen die beiden in Nidderau großgewordenen Chefs als Pluspunkte des Standorts.
„Wir verstehen uns als moderner Handwerksbetrieb, der in Zeiten der Hochindustrialisierung den Spagat zwischen industrieller Effizienz und handwerklichem Geschick wagt“, sagt Ewert. Die Ziele von WME Maschinenbau sind klar gesteckt: Wachstum mit Wertschätzung der Mitarbeiter, den „Innovationsgeist beibehalten“ und in Zukunft junge Menschen ausbilden, was das junge Unternehmen angesichts der aktuellen Wirtschaftslage noch nicht wagt. Die Kompetenz, junge Menschen zu führen, haben sich die Geschäftsführer auch mit ihrem ehrenamtlichen Engagement draufgeschafft: Beide sind als Gruppenleiter bei den Pfadfindern aktiv.
Magistrat der Stadt Nidderau
06.07.2026
Andreas Bär
Bürgermeister


