Sie war zuerst sichtlich überrascht, danach tief bewegt: Die Auszeichnung von Monika Presse mit der Bürgerplakette war der emotionale Höhepunkt des Frühlingsempfangs der Stadt Nidderau. Die über 500 Gäste in der Kultur- und Sporthalle Heldenbergen würdigten eine „Heldin des Alltags“, einen Menschen, der außerhalb des Rampenlichts Großes für Mitmenschen leistet, mit stehenden Ovationen. „Nur danke, mehr nicht“, entgegnete die 75-Jährige auf die Frage, ob sie eine Rede halten möchte. Und schob leise, mit den Tränen kämpfend, hinterher: „Ich glaub‘ es ja nicht.“
Monika Presse unterstützt ihren Schwager, der mit einer Behinderung lebt, seit fast 30 Jahren liebevoll im Alltag. Das Besondere: Sie hatte ihrem ersten Ehemann vor dessen Tod versprochen, diese Verantwortung zu übernehmen, obwohl sie damals bereits von ihm geschieden war. „Ihr jahrzehntelanges, verlässliches und selbstloses Engagement macht sie in besonderem Maße würdig, mit der Bürgerplakette der Stadt ausgezeichnet zu werden“, sagte Bürgermeister Andreas Bär.
Motto „Wurzeln schlagen - Vielfalt leben“
Bürgerplakette, Kulturförderpreis, Sportlerehrung, Umweltpreis: Unter dem Motto „Wurzeln schlagen - Vielfalt leben“ würdigte und feierte die Stadt das vielfältige Engagement in einer Stadt, in der Menschen aus 92 Nationen Wurzeln geschlagen haben. „Vielfalt bereichert das Alltagsleben. Vielfalt ist in diesem sehr lebenswerten Ort kein Schlagwort, sondern gelebte Realität“, sagte Kulturbeiratsvorsitzende Marion Schröder, die mit ihrem „Vize“ Markus Bernard durch den Abend führte. „Nidderau lebt von Menschen, die weit mehr tun als das Nötige“, ergänzte Bernard.
Der Frühling steht für Aufbruch. Die Nidderauer Bürgergesellschaft befindet sich offensichtlich das ganze Jahr über im Aufbruch. Das verdeutlichte der Rückblick auf das Jahr 2025. Bürgermeister Bär erinnerte mit 100 Fotos an die vielfältigen Ereignisse: zahlreiche Jubiläen mit der ganzjährigen Feier „1175 Jahre Ostheim“ an der Spitze, neue Drehleiter für die Feuerwehr, Auszeichnung der Stadt mit dem „Spar-Euro“ für ihre Fortschritte in der Digitalisierung, drei neue Kunstrasenplätze für die Fußballvereine, Einweihung des Premiumwanderwegs „NidderAuenFährte“, der die Nidderau quasi dem Spessart zugehörig gemacht habe, und vieles mehr.
Kulturförderpreis an Marc-Philipp Hartmann
Bär beschwor immer wieder die „Kraft des Ehrenamtes“, die sich nicht nur beim erstmals ausgerichteten Familienfest gezeigt habe. Es gab freudige Ereignisse wie die Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Bernd Reuter. Es gab traurige Momente wie der Abschied von Heimatforscher Werner Brodt, Kommunalpolitiker Helmut Weider, dem langjährigen ehrenamtlichen Stadtrat Theo Freywald und dem Heldenberger Original Roland „Oggi“ Ogriseck.
„Ein ganz normaler junger Mann mit einer für sein Alter ungewöhnlichen Vorliebe für Kirchenmusik“: So bezeichnete Markus Bernard in seiner Laudation Marc-Philipp Hartmann. Der neue Träger des Kulturförderpreises hat soeben mit 18 Jahren seine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker als Organist und Chorleiter abgelegt. Mit elf Jahren debütierte er bei einer Kinderchristmette. Als Organist spielt der Windecker mittlerweile in einem Dutzend Kirchen der Region auf.
Gleich zwei Sieger zeichnete Erster Stadtrat Rainer Vogel mit dem 4. Nidderauer Umweltpreis aus. Je 500 Euro Preisgeld, überreicht vom Vorsitzenden der Bürgerstiftung, Horst Körzinger, erhielten die Vogelschutzgruppe Eichen für die Errichtung eines Reptilienbiotops und die Garten-AG des Fördervereins des Evangelischen Kita Heldenbergen für das Projekt Naturgarten. „Klimataler sind wie Bitcoins, nur ohne Stromverbrauch“, warb Vogel für die regionale Währung, die klimafreundliches Verhalten belohnt. In Geldpreisen zahlte sich das für Kerstin von Loh, Thomas Raphael und Stefan Lüdde aus. Das Trio sammelte in dieser Reihenfolge die meisten Klimataler, die zahlreiche Vergünstigungen bieten.
Patricia Seipel führt erfolgreiche Sportler an
Mit zwei Deutschen und einem Hessischen Meistertitel führte Sportschützin Patricia Seipel vom Schützenclub Windecken einmal mehr die Riege der erfolgreichen Sportler an. Hessen-Titel im Speerwurf und Blockmehrkampf sammelte Leichtathletin Ella Schubert vom TV Windecken. Dank der der der auf Landesebene siegreichen Nachwuchs-Turnerinnen Malia Ciecior, Svea Brocke, Emily Sophie Ostheimer, Felizitas Leetz und Aileen Nowak, Aileen Nowak und Sophia Weisenfeld stellte der TV Windecken das Gros der Titelträger. Der junge Geräteturner Hannes Salmen und Routinier Jens-Philipp Engelmann als Vize-Europameister im Wurf-Fünfkampf vervollständigten die ausgezeichneten Sportler.
Jazz des Trios „Take 3“ der Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden verknüpfte die Programmpunkte des Frühlingsempfangs, dem zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Vereinen und Kirchen bewohnten, mit Hessens Kulturstaatssekretär Christoph Degen, Regierungspräsident Professor Dr. Jan Hilligardt, dem kompletten Kreistriumvirat um Landrat Thorsten Stolz und Stadtverordnetenvorsteher Jan Jakobi an der Spitze. Der Abend endete wie üblich mit dem irischen Reisesegen. Zuvor hatte Pfarrer Dr. Lukas Ohly ein Plädoyer gehalten für Vielfalt und Neubeginn, den nicht nur der Frühling mit sich bringt: „Das Jahr hat 525.000 Minuten für eine Neuanfang.“ Und es hat auch 525.000 Minuten, um getreu des Mottos des Frühlingsempfangs Wurzeln zu schlagen und Vielfalt zu leben.



Magistrat der Stadt Nidderau
17.03.2026
Andreas Bär
Bürgermeister


