10 Jahre Repair Café Nidderau: 


Sie haben sogar schon eine kleine Weihnachtsmannfigur wieder zum Tanzen und Musizieren gebracht. In der Regel sind es aber die liebgewordenen Gegenstände des Alltags, die den Dienst verweigern: Kaffeemaschinen, Lampen, Toaster, CD-Spieler, Bohrmaschinen. Wenn Fachbetriebe schulterzuckend abwinken, laufen die Experten rund um Joachim Niksch zur Hochform auf. „Wegwerfen? Denkste!“ lautet das Motto des Repair Cafés Nidderau. Seit zehn Jahren gibt es das kostenlose Angebot. Nur Ersatzteile müssen bezahlt werden. Es gibt Kaffee und Kuchen zum Selbstkostenpreis. Spenden sind gerne gesehen. Mit einem Sommerfest feierte das Angebot der Hilfe zur Selbsthilfe im Jugendzentrum Blauhaus Jubiläum.

 

„Wenn man den Leuten beim Reparieren zuschaut, hat man das Gefühl: Das ist kein Projekt mehr, sondern eine Mission“, freut sich Bürgermeister Andreas Bär über das Paradebeispiel für ehrenamtliches Engagement. Über der Freude am Reparieren steht laut Bär ein klarer Leitgedanke: „Die beste Form von Umwelt- und Ressourcenschutz ist die Weiterverwendung von Elektrogeräten. Das Repair Café passt damit optimal zur Agenda der Stadt Nidderau.“

 

Poröse Antriebsgummis, verschlissene Kohlen, gebrochene Lötstellen, Wackelkontakte: Oft ist es nur eine Kleinigkeit, die zum Totalversagen führt. „Kürzlich hatten wir einen Mann mit einer Kaffeemaschine, die schon 32.000 Tassen gebrüht hatte. Da war es klar, dass das Gerät nicht mehr in Bestform ist“, erinnert sich Niksch. Und klar: Der Schaden konnte behoben werden. Auch Fahrräder, Spielzeug und Stereoanlagen werden versorgt. Das Prinzip lautet: Alles, was unter den Arm passt, kann mitgebracht werden. Von rund 1.500 Geräten konnten seit Beginn des Repair Cafés rund 1.000 erfolgreich repariert werden. „Das ist doch eine schöne Zahl“, sagt Niksch.

 

Der 70 Jahre alte Elektrogeräte-Ingenieur ist Leiter des Repair-Cafés, das der mittlerweile in Steinau lebende Dieter Krause ins Leben gerufen hatte. Zum mittlerweile auf fast 15 Köpfe angewachsenen Team gehören Ingenieure, aber auch Menschen aus völlig Technik-fernen Berufen mit der Leidenschaft zum Basteln, beispielsweise ein pensionierter Flugkapitän. Die Altersspanne reicht von Ende 20 bis in die Siebziger. Jürgen Jacob, Peter Gerlach und Wolfram Fischer sind vom ersten Tag an dabei, ebenso wie Monika Weber, die sich um Kaffee und Kuchen kümmert. Die Anmeldung organisiert der erst zwölfjährige Jonas Zavrel.

 

Niksch wertschätzt die sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Nidderau und lobt insbesondere Ayleen Lorenz und Alexander Frei vom Team KJF (Kinder- und Jugendförderung). „Schließlich sind wir die einzigen Nicht-Jugendlichen, die hier im Jugendzentrum Blauhaus aktiv sein dürfen“, sagt Niksch mit einem Lächeln. Von Lorenz und Frei stammte auch die Idee für eine Fahrradwerkstatt für Kinder und Jugendliche, die im April zum ersten Mal durchgeführt wurde.

 

Die Ziele sind klar definiert: Nachhaltigkeit und Müllvermeidung. Das Repair Café hilft, wenn sich die Reparatur in einer Fachwerkstatt aufgrund der Kosten nicht mehr lohnt. Aber gerade bei neueren Geräten gibt es Grenzen der Hilfe zur Selbsthilfe. Schrauben in Dreiecksform oder verklebte Gehäuse erlauben nicht einmal mehr den Zugriff zur Fehlerquelle. Jeden ersten Samstag im Monat von 13 bis 17 Uhr greifen Ingenieure und Bastler im JUZ Blauhaus wieder zu Schraubenzieher, Messgerät und Lötkolben. Geht nicht - das soll es möglichst nicht geben.

 

Mehr im Internet unter www.repaircafe-nidderau.de.

 

 

 

Magistrat der Stadt Nidderau

27.08.2026

 

Andreas Bär

Bürgermeister