Analyse von Landes-Experten: 


Die Stadt Nidderau bietet ihren Bürgern viel, in vielen Bereichen sogar deutlich mehr als sie müsste. Das ist stark vereinfacht und verkürzt das Ergebnis einer Analyse der Finanzen durch Experten des Landes Hessen. Die zentrale, aber nicht neue Erkenntnisse lautet: Der defizitäre Betrieb des Nidderbads (1,2 Millionen Euro) und der Bürgerhäuser (618.000 €) sowie die Betreuung von Kindern (7,6 Millionen €) und Flüchtlingen (485.000 €) reißen tiefe Löcher in den Haushalt.

 

Volker Mosler vom Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz und Christian Petersohn vom Landesrechnungshof als Landesbeauftragter für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung stellten Bürgermeister Andreas Bär und Erstem Stadtrat Rainer Vogel sowie Andrea Bassermann und Catharina Hammel von der städtischen Kämmerei im Rahmen einer kommunalen Finanzberatung in Wiesbaden Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vor.

 

Die Ausgangslage ist für Nidderau ähnlich wie für die meisten Kommunen in Hessen: Die Einnahmen genügen nicht mehr, um die laufenden Kosten zu decken. Die Rücklagen sind weitestgehend aufgebraucht. Für Investitionen müssen Kredite aufgenommen werden. Die vorläufige Finanzplanung der Stadt Nidderau für die Jahre 2026 bis 2028 sieht eine Nettoneuverschuldung in Höhe von rund 15,8 Millionen Euro vor.

 

„Die Analyse ist eine gute Grundlage für die anstehenden Beratungen mit den städtischen Gremien und für einen etwaigen, von den Freien Wählern vorgeschlagenen Haushaltsgipfel“, erklären Bürgermeister Bär und Kämmerer Vogel. Zudem prüft die Verwaltung, eine tiefergehende Strukturanalyse durch externe Spezialisten in Auftrag zu geben. Die Kosten hierfür würden als Folge der Beratung nun zur Hälfte vom Land Hessen übernommen werden.

 

Lob für Kinderbetreuung

 

Überdurchschnittlich hohe Investitionen in Infrastruktur, Kinderbetreuung, ÖPNV, Freizeitangebot und Umweltschutz: Der politische Kurs, die Attraktivität der Stadt für Bürger und Gewerbetreibende zu erhöhen, spiegelt sich auch in der vergleichenden Analyse unter ausgewählten strukturähnlichen Kommunen wider: In Nidderau leben deutlich mehr hochqualifizierte Arbeitnehmer. Die Kaufkraft und damit das Haushaltseinkommen der Familien (65.926 Euro) sind sehr hoch. Die Zahl der Haushalte mit Kindern (31,1 %) erreicht einen Spitzenwert. Das Arbeitsplatzangebot wird größer. Die Zahl der Sozialhilfeempfänger (4,5 %) bleibt gering. „Einschnitte beim Ausbau der Infrastruktur und den freiwilligen Leistungen sind denkbar. Sie gefährden aber auch die positive Entwicklung und die Lebensqualität in unserer Stadt. Ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort bedeutet auch höhere Gewerbesteuereinnahmen und Einkommensteueranteile auf der Einnahmenseite“, sagt Bürgermeister Bär.

 

In der vergleichenden Haushaltsanalyse mit ähnlich großen Kommunen wie Seligenstadt, Heusenstamm, Groß-Umstadt und Bruchköbel schneidet Nidderau in einigen Bereichen hervorragend ab. Sehr positiv hervorgehoben wurde unter anderem die Gebührensatzung der Kindertagesstätten. Die verschieden gestaffelten und damit unterschiedlich teuren Betreuungsmodule seien ein gutes Steuerungsinstrument, lobt die Analyse. Das Ergebnis: Mit einem Zuschuss von 377 Euro je Einwohner und Jahr liegt Nidderau deutlich unter dem Durchschnitt der Vergleichskommunen (463 Euro).

 

Kinderbetreuung, Nidderbad, Bürgerhäuser, Erhalt und Pflege der Grünanlagen (456.000 Euro), Förderung der Musikschule (168.000 €), die Stadtbücherei (234.000 €), Spielplätze (386.000 €) und Friedhöfe (277.000 €); sogar der Wald (119.000 €) muss bezuschusst werden. Nidderau lässt sich das vielfältige Angebot viel Geld kosten. Die Analyse attestiert der Stadt ein überdurchschnittliches Defizit bei freiwilligen Ausgaben von 188 Euro pro Einwohner und Jahr. Die Experten aus Wiesbaden schreiben in ihrem Fazit: Konsolidierungspotentiale sind denkbar, bedürfen aber der politischen Abwägung und Entscheidung. Letztendlich entscheiden die politischen Gremien im Rahmen ihrer Priorisierung, welche Leistungen in welchem Rahmen zur Verfügung gestellt und in welcher Höhe bezuschusst werden.

 

Höhere Steuern als „Ultima Ratio“

 

Am Ende der 123 Seiten umfassenden Analyse sehen die Experten aus Wiesbaden im interkommunalen Vergleich sogenannte Konsolidierungspotentiale bei den freiwilligen Leistungen im Bereich Soziales und Sportförderung. Auch die Kosten bei den Pflichtaufgaben wie der inneren Verwaltung, also im Rathaus, Feuerwehr und Bauhof könnten bei einer verstärkten interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) gedämpft, die Aufwendungen für Natur- und Landschaftspflege reduziert werden.

 

Verbesserungsmöglichkeiten gibt es laut Landesrechnungshof auch bei der Steuerung des Haushaltsplans durch ein verstärktes Controlling. Gebühren für Kitas, Friedhöfe und mehr sollten „zur Sicherstellung einer rechtssicheren und kostendeckenden Gebührenerhebung“ regelmäßig angepasst werden.

 

Sparen lautet der Appell aus Wiesbaden. Nidderaus Politik steht vor schwierigen Entscheidungen. Als Ultima Ratio, also als letztes Mittel, erachten die Autoren der Analyse Gewerbesteuer und Grundsteuer als Konsolidierungspotential. Jede Anhebung um zehn Prozentpunkte der Grundsteuer B bescheren der Stadt rund 70.000 Euro mehr.

 

Magistrat der Stadt Nidderau

25.03.2026

 

Andreas Bär

Bürgermeister