Wo die Bäcker einst die Pforten aufschlossen…

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Eichen, ehemals selbstständige Gemeinde im Main-Kinzig-Kreis, wurde am 01.01.1972 eingemeindet und ist seitdem Stadtteil von Nidderau. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Stadtteils bot Werner Brodt einen historischen Rundgang durch Eichen an, dem sich 55 Teilnehmer:innen anschlossen.

Vom 1905 eröffneten Bahnhof gelangte die Gruppe zum Untertor, das 1682 als Teil einer Dorfbefestigung errichtet wurde. Vor dem Untertor befand sich einst eine Bäckerei, die man wegen der erhöhten Brandgefahr außerhalb der Befestigung ansiedelte. Überlieferungen zu Folge hatten die Bäcker die Aufgabe, die Pforte morgens zu öffnen, da sie ohnehin früh auf den Beinen waren. Dadurch konnten die Bauern in aller Frühe mit ihren Ochsengespannen oder Pferdefuhrwerken ihre Äcker erreichen, um ihr Tagwerk zu verrichten.

Das Untertor wie auch das nicht mehr vorhandene Obertor waren Teil der Dorfbefestigung, die in Eichen als Reaktion auf den Überfall und die fast vollständige Zerstörung des Dorfes gebaut wurde. In der Großen Gasse, der Kleinen Gasse und der Obergasse wurden alle Bauernhöfe so errichtet, dass die Scheunen eng aneinander standen und so einen nahezu geschlossenen Scheunenring bildeten. Ergab sich zwischen den Gebäuden noch eine Lücke, wurde diese mit undurchdringlichen Hecken, dem sogenannten Gebück, bepflanzt, damit sich eine geschlossene Befestigung ergab.

Nach dem Untertor führte Werner Brodt die Teilnehmer:innen zur evangelischen Kirche, deren Vorgängerbau auch im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. Am 16.Mai 1635 brannten kroatische Truppen der katholischen Liga auch das Kirchengebäude vollständig nieder. Mit dem Wiederaufbau konnte erst 60 Jahren nach dem schrecklichen Ereignis begonnen werden. Spätere Ausgrabungen im Zuge der Renovierung der Kirche, brachten alte Fundamente zum Vorschein, die eindeutig belegten, dass die Kirche wieder dort errichtet wurde, wo auch der Vorgängerbau stand.

Nach der Kirche führte Brodt die Gruppe zur alten Schule. Das einzige Gebäude in Eichen im klassizistischen Stil wurde 1846 gebaut und barg einst im Untergeschoss zwei Lehrerwohnungen und im oberen Stockwerk zwei Klassenräume. Am Pfarrhaus vorbei gelangte die Gruppe zu einem Gebäude, das einst als evangelisch-lutherische Kirche diente. Bis zur Hanauer Union 1818 wurden in diesem Gebäude Gottesdienste abgehalten. Es hatte ursprünglich große Kirchenfenster, eine hölzerne Empore, eine Orgel und einen Kirchturm. 1828 wurde es von der Gemeinde Eichen erworben und diente bis zur Eingemeindung 1972 als Rathaus. Danach gelangte es in Privatbesitz und wurde für Wohnzwecke so umgebaut, dass die einst kirchliche Nutzung nicht mehr zu erkennen ist.

Anhand alter Fotos aus Eichen konnte Brodt zeigen, dass die Große Gasse, die Obergasse, die Kleine Gasse und vor allem die Hirtengasse einst ein durchgängiges Fachwerkensemble bildeten. Viele der alten Häuser fanden in den letzten Jahrzehnten neue Eigentümer, die oft aus der Stadt auf das Land zogen und die Fachwerkhäuser liebevoll restaurierten. Vielerorts wurden aber auch Fachwerkhäuser abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt, sodass sich das Ortsbild nach und nach verändert. Die Führung endete am alten Waagehäuschen, wo sich die Teilnehmer:innen erfrischen konnten und sich in kleinen Gruppen noch lange über die gewonnen Eindrücke unterhielten.

Abschließend wurden die Teilnehmer:innen noch auf die Ausstellung alter Fotos hingewiesen, die am 16. Juli 2022 um 15:00 Uhr in der Nidderhalle eröffnet wird.