Drei Männer spielen Dart

Nidderau. Vor Ort wollte sich Staatssekretär Patrick Burghardt aus dem Hessischen Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung vorführen lassen, wie weit eine Stadt mit 20.000 Einwohnern bereits auf dem Weg zum Digitalen Rathaus gekommen ist und welche Dienstleistungen bereits so gut wie papierlos angeboten werden können. Im Bürgerbüro demonstrierte Mitarbeiter Volker Faulstich alle Schritte vom Passbildautomat bis zur digitalen Unterschrift, um an einen neue Personalausweis oder Reisepass zu kommen. Dabei sei die Zeitersparnis für den Bürger wie für die Mitarbeiter durch die digitalen Werkzeuge enorm, so Faulstich. Als zweites Beispiel bekam der Staatssekretär vorgeführt, wie eine Pressemitteilung von der Entstehung über die Verifizierung, die sachliche Überprüfung durch die Fachbereichsleitung, die Freigabe durch Bürgermeister Gerhard Schultheiß und die Verschickung durch die Poststelle völlig papierlos funktioniert. „Es müssen keine Mappen mehr von Büro zu Büro getragen werden, was viel Zeit und Manpower kostete. Wir können viel schneller unsere Informationen an die Presse herausgeben“, betonte der Rathauschef.

Möglich wird die Umstellung vieler Arbeitsabläufe im Rathaus durch die Digitalisierungsplattform Civento der ekom21, des vom Land Hessen beauftragten kommunalen IT-Dienstleisters, die bereits in rund 70 Kommunen zum Einsatz kommt. Wobei Nidderau eine der Gemeinden ist, „die schon sehr früh viele Möglichkeiten von Civento genutzt hat und weitere Anwendung konkret plant, zum Beispiel die Verwaltung der Bürgerhäuser“, betonte Schultheiß. Staatssekretär Patrick Burghardt zeigte sich beeindruckt und verwies darauf, dass vom Land zwischen 2020 und 2024 rund 100 Millionen Euro für die Digitalisierung zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel für die Erarbeitung von Strategien, Beschaffung von Infrastrukturen oder Hardware sowie die Digitalisierung von Prozessen. Nidderau, stellte der Bürgermeister fest, habe sich bereits um Aufnahme in ein Programm beworben, bei dem von 2020 an fünf Jahre lang die flächendeckende kostenfreie Nutzung der Plattform Civento vom Land finanziert wird – offensichtlich mit guten Aussichten, wie Burghardt durchblicken ließ.

Das Land und die Kommunen müssen die Digitalisierung beschleunigen, „denn das Onlinezugangsgesetz verpflichtet Bund, Länder und Kommunen ihr Verwaltungsdienstleistungen bis zum 31. Dezember 2022 online verfügbar zu machen. Wir sehen diese herausfordernde Aufgabe aber nicht nur als gesetzliche Pflicht an, sondern unser Ziel ist es, den Service für Bürgerinnen und Bürger zu verbessern. Klassische Behördengänge zu bestimmten Uhrzeiten mit Warteschlangen vor dem Bürgerbüro müssen so schnell wie möglich durch möglichst flächendeckende Online-Services abgelöst werden“, betonte Staatssekretär Patrick Burghardt im Gespräch mit Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeitern.

„In Nidderau werden inzwischen über 30 verschiedene Software-Anwendungen wie Mängelmelder, Standesamtswesen, Kindergartenanmeldung, Melde- und Passwesen, Feuerwehrwesen, Grundstücke, Versiegelungskataster, Personalwesen, Änderung Kfz-Schein, Bibliothek, Presseartikel, Liegenschafts- und Gebäudemanagement, Finanzwesen, Ordnungswidrigkeiten, Rechnungsworkflow und vieles mehr in allen Fachbereichen eingesetzt. Die Herausforderung speziell durch das Onlinezugangsgesetz können wir aber nicht ohne die Hilfe des Landes und der ekom21 meistern“, fügte Bürgermeister Gerhard Schultheiß hinzu.

 

Bildtexte: Verwaltungsmitarbeiter Volker Faulstich (rechts) mit Staatssekretär Patrick Burghardt (Mitte) und Bürgermeister Gerhard Schultheiß am digitalen Passbildautomat im Rathaus.