Stadtführung in Heldenbergen

Heldenbergen liegt in der südlichen Wetterau an einer Schleife der Nidder im Bereich alter römischer Ansiedlungen (polygonales Erdlager, Kastelle, Zivilsiedlung).

Der im frühen Mittelalter entstandene Ort wird in einer Urkunde Ludwigs des Frommen 839 „Helidiberga“ genannt. Er gehörte später zum Freigericht Kaichen.

In dem bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts landwirtschaftlich geprägten Dorf, gab es drei Burgen. Die Oberburg auch Truckenburg oder Rodenburg genannt, die Mittelburg und die Nassburg. Hinzu kommt ein ehemals adeliger und damit abgabenfreier Wirtschaftshof, das „Görtz'sche Hofgut“. Von Mittelburg und Nassburg sind heute keine aufgängigen Bausubstanzen mehr erhalten.

Wann und von wem die Oberburg, vermutlich zur Sicherung und Kontrolle einer alten Straßenkreuzung, erbaut wurde, ist nicht bekannt. Sie liegt, heute als kleines Schloss, von mächtigen Parkbäumen verborgen, am südlichen Ortsrand. Im 12.Jahrhundert war sie im Besitz der Herren von. Heldenbergen, von denen der 1218 gestorbene Gieselbert von Heldenbergen wahrscheinlich der erste Burggraf auf der Reichsburg Friedberg war. Die jetzige Gestalt des Anwesens ist ein dreiflügeliger Bau des 17. und 18. Jahrhunderts mit klassizistischen Veränderungen (Fenster von 1802). Nördlich befindet sich das Torhaus, die ehemalige Vorburg, mit Torwappen (Hattstein) von 1702.

Zentral in Heldenbergen ragt die Pfarrkirche (k.), errichtet 1752-53, erhöht über der örtlichen Durchgangstraße. Sie enthält gute Rokokoausstattung in schwungvoller Ornamentik. Sehenswert ist u. a. auch eine schlichte gotische Kreuzigungsgruppe, die ursprünglich im Mauerwerk der hohen Kirchhofsmauer eingelassen war. Entgegen „cuius regio – eius religio“ blieb Heldenbergen nach der Reformation katholisch, weil das Patronatsrecht dem mächtigen Erzbischof von Mainz zustand. Religionsgeschichtlich gilt das über fast 100 Jahre währende „Simultanäum“ als kuriose Besonderheit. Der evangelische Grefe und der evangelische Küster mussten im Auftrag der Friedberger Burgrafen darüber wachen, dass der katholische Pfarrer, der auch die wenigen evangelischen Ortsbewohner seelsorgerisch betreute, keine Glaubensdogmen verwendete und keine Kirchenlieder anstimmte, die sich gegen den protestantischen Glauben richteten. Seit Jahrhunderten war auch eine jüdische Bevölkerungsgruppe in Heldenbergen ansässig. Es gibt dort zwei jüdische Friedhöfe. Eine Gedenktafel in der Nähe der ehemaligen Synagoge erinnert an die gewaltsame Verschleppung und Ermordung der bis dahin nicht geflüchteten Heldenberger Juden im Zuge der Reichspogromnacht.

Im Zusammenhang mit der kommunalen Gebietsreform verlor Heldenbergen auf freiwilliger Basis s am 1.1.1970 seine politische Selbstständigkeit und wurde Stadtteil von Nidderau.

 

H.B.