Ansichten aus der Stadt Nidderau.

 




Bonifatius-Route

Auf der Bonifatius-Route

Kaum ein Tag an dem man in Nidderau keine Wanderer und Pilger trifft, die auf dem Weg von Mainz nach Fulda sind. Hierhaben
sie etwa die Hälfte der 180 km langen Strecke zurückgelegt. Sie kommen einzeln oder in Gruppen, sie ziehen von Ort zu Ort und
übernachten in Gasthäusern und Hotels entlang der Route. Viele nutzen nur das Wochenende, um nach und nach die einzelnen Teilstücke zu erwandern.

In den Ortsteilen Heldenbergen , Windecken und Eichen , die direkt an der Route liegen, kann man über 100 geschützte historische Bauten und landschaftlich schöne Gebiete erkunden. In Windecken gibt es optimale Bus- und Bahnverbindungen und Gäste, die mit dem Auto anreisen, finden große und kleine Parkplätze direkt am Ausgangspunkt der Etappe. Wer abends nicht zurück laufen will, kann sich in Eichen in den Zug oder in den Bus setzen und sich zurück bringen lassen.

Informationen des Vereins Bonifatius-Route e. V.

Die Route ist mittlerweile komplett ausgeschildert. Die Pilger und Wanderer können mit dem Wanderführer oder RMV-Streckenplan die Strecke eigenständig begehen. Die Route selbst kann in beide Richtungen abgelaufen werden, wobei es eine "natürliche" Ausrichtung gibt. Bei der Planung ist man - immer an einen Pilgerweg denkend - nicht davon ausgegangen, dass der Weg zwingend auch für Radfahrer oder Reiter geeignet sein muss.

Die Wanderkarte ist seit Mitte 2005 beim RMV kostenfrei erhältlich. Wer möchte, kann sich auch aus dem Internet auf der Seite des Vereins eine Übersichtskarte mit Kilometerangabe ausdrucken. Damit lassen sich einzelne Etappen selbst zusammenstellen. Wichtig: Das Wandern und Pilgern ist ohne Ausschilderung der Route oder ohne Wanderkarte nicht möglich.

Entlang der Route gibt es an einzelnen Stationen (interessante Plätze, Kirchen, Kultur- und Naturdenkmäler usw.) eine Themen-Beschilderung. Einen Kulturführer zur Route kann man beim Verein Bonifatius-Route für 5,00 € bestellen. Ein Wanderer-Stempelausweis kann für 1.- € erworben werden. Führer und Plan sind auch im Bürgerbüro und in der Stadtbücherei Nidderau erhältlich. Entlang der Strecke laden die örtlichen Gastronomiebetriebe zur Einkehr ein.

Informationen über Wanderungen und Logistik, Veranstaltungen, Führungen, Sonderaktionen und Ausstellungen sind auf der Internetseite des Vereins Bonifatius-Route e.V. zu finden : www.Bonifatius-Route.de

Der Verein "Bonifatius-Route" geht aus einer rein privaten Initiative hervor, die inzwischen auch von vielen kirchlichen Institutionen und Gebietskörperschaften unterstützt wird. Er arbeitet ehrenamtlich. Der Verein, in dem auch die Stadt Nidderau Mitglied ist, kann durch Spenden oder durch Mitgliedschaft unterstützt werden. Alle Zuwendung sind steuerlich abzugsfähig.

Station der Pilger auf der Einweihungswanderung in Nidderau am 14.7.2004



Ankunft der Pilger an der Kultur-und Sporthalle Heldenbergen



Ökumenischer Gottesdienst mit Kardinal Lehmann und Probst Pauli

 

Zur Geschichte

In der Orts-Chronik der Pfarrei und Gemeinde Heldenbergen findet sich ein Eintrag aus dem Jahr 1862, in dem ein Bonifatius-Acker erwähnt wird, der oben am Wald am Weg nach Groß-Karben gelegen hat. Darüber hinaus wird in dieser Literaturstelle auf die mündliche Überlieferung hingewiesen, nach der dort der Heilige Bonifatius geruht haben soll.

Um an dieses Ereignis zu erinnern, wird zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Kreisstraße 246, einer alten von Okarben zum Kastell Marköbel führenden Römerstraße, ein Steinkreuz errichtet. Das Kreuz mit den beiden großen Eichen ist eine markante Stelle an der schnurgeraden, viel befahrenen Straße. Auf dem Sockel trägt es die Inschrift Bonifacius Ruh; die der Straße zugewandte Seite ist mit nachempfundenen keltischen Knoten und den Buchstaben JHS verziert.

Der innerhalb der Nidderauer Gemarkungen ausgeschilderte Teilabschnitt der Bonifatius-Route führt am Bonifatius-Kreuz vorbei zunächst zur Heldenberger Katholischen Kirche.

Die Kirche Heldenbergens, durch den 30jährigen Krieg „ohne Glasfenster, Ornamente und sehr baufällig an Dach und Mauer“ wird Mitte des 18. Jahrhunderts neu aufgebaut. Dreißig Jahre zuvor entstehen in Gernsheim in Rheinhessen drei Altäre, die 1754 für Heldenbergen angekauft werden und heute noch in der prächtig ausgestatteten Kirche zu bewundern sind: der Hauptaltar mit Christus am Kreuz und ein Maria- und ein Joseph-Seitenaltar. Eine gotische Kreuzigungsgruppe aus dem 14. Jahrhundert an der Nordwand des Kirchenschiffes stand ursprünglich außerhalb, der Verwitterung zu stark preisgegeben. Die Kirche kann durch Anfrage an das kath. Pfarramt in Heldenbergen besichtigt werden, ein verglaster Eingang gibt den Blick in den Altarraum frei.

Der Pilgerweg führt weiter die Bahnhofstraße hinunter und unterhalb der Oberburg vorbei an den Nidderwiesen bis nach Windecken. Nach der Bahnunterführung gelangen die Besucher zum neu gestalteten „Wärtchen“ einer Insel zwischen zwei Nidderarmen, wo ein steinerner Tisch und Bänke zur Rast einladen. Nach den Brücken gelangt man an die um 1270 erbaute Stiftskirche, einem Ort der Andacht und Stille. Nach Voranmeldung kann die Kirche besichtigt werden. Auf dem historischen Marktplatz dominiert das 1519 bis 1520 an Stelle eines zweigeschossigen „Spielhauses“ erbaute Rathaus. Das Erdgeschoss diente als Markthalle, das Obergeschoss als Sitz der Verwaltung. Die dem Marktplatz zugewandte Schmalseite mit Staffelgiebel zeigt als Schaufront einen Erker auf vier Konsolen mit Maßwerkbrüstung, Wappenfeld und Schweifdach. Er diente zur Verkündung wichtiger Mitteilungen an die Bürger. Nach dem Umzug der Verwaltung in das neue Nidderauer Rathaus wurde das Gebäude aufwendig restauriert und beherbergt heute, in angenehmem Ambiente, die Stadtbücherei, die auch als Stempelstelle besucht werden kann. Überquert der Wanderer den Marktplatz, und folgt dem ausgeschilderten Weg, gelangt er zum Will´schen Haus, einem der ältesten Fachwerkhäuser Deutschlands, dessen Geschichte im Zusammenhang mit dem Schloss Wonnecken zum historischen Stadtrecht beitrug. König Rudolf von Habsburg verleiht 1288 Windecken, das sich damals im Besitz Ulrich von Hanaus befindet, die Stadt- und Marktrechte.

Der Weg nach Eichen über den Ohlenberg führt durch eines der größten Streuobstwiesen-Gebiete im Altkreis Hanau. Von oben bietet sich eine herrliche Aussicht über die Ebenen der Wetterau bis in den Vogelsberg, den Taunus, auf die Hanau-Seligenstädter Senke und in das Ronneburger Hügelland. In einer Windecker Urkunde aus dem Jahr 1349 findet sich ein Bonifaciusburnen, der 1912 von Georg Wolff mit der Überführung der Leiche des am 5. Juni des Jahres 754 ermordeten Bonifatius in Verbindung gebracht wird. Dieser Brunnen befand sich im Bereich des Ohlenbergs, über den sich nicht nur die oben erwähnte Römerstraße fortsetzt, sondern auf dem es einen weiteren Bonifacius-Acker gibt, der 1858 in einer Flurkarte und 1862 in einer Gemarkungskarte eingezeichnet ist. In letzter Zeit wird daher nicht ausgeschlossen, dass der Trauerzug von Karben kommend in der Juli-Hitze etwa zwei Kilometer vor Heldenbergen Rast machte, um von dort aus zur Übernachtung auf den Ohlenberg zu laufen.

Nach Voranmeldung kann auf dem Buchwaldhof, einem landwirtschaftlichen Selbstvermarkter, zum einfachen Imbiss eingekehrt werden. Der weitere Weg führt durch das geplante Naturschutzgebiet Mürzelloch. Diesem folgt die Bonifatius-Route hinunter in die oft überschwemmten Nidderauen und von dort in einem Bogen am Waldrand entlang in das Dorf Eichen. Hier gibt es nicht nur das Untertor und schmucke Hofreiten mit hübschen Hoftoren, sondern auch die kleine, der heiligen Lucia geweihte Kirche, die nach Voranmeldung besucht werden kann. Sehenswert sind auch die Schule, das einzige klassizistische Bauwerk Eichens, sowie das im Jugendstil erbaute Pfarrhaus. Nach dem Stadtteil Eichen mit seinen schönen Fachwerkhäusern durch Wiesen verlaufend, verlässt die Route die Stadt Nidderau und den Main-Kinzig-Kreis in einem auf dem Höhenzug liegenden Waldstück, in Richtung Kloster Engelthal .

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