Historische Grenzsteine

 

Neuer Wanderweg "Historische Grenzsteine"

Der Wanderweg verläuft entlang der Grenze zwischen dem Eichener Unterwald und dem Bürgerwald Windecken. Bei dem Übergang eines Teils des ehemaligen Markwaldes Win­decken und Ostheim auf die Gemeinde Eichen wurden dort anno 1737 Grenzsteine gesetzt.

Vom Ortsausgang Eichen in Richtung Ostheim beginnt der Weg wenige Meter jenseits des Bahnübergangs links von der K 851. Parkplätze stehen im Bereich des Bahnhofs Eichen zur Verfügung.

Hier können Sie die Wanderkarte als PDF-Datei ausdrucken.




 

Gelegentlich fallen sie einem aufmerksamen Wanderer auf. Viel öfter stehen sie jedoch unbeachtet und vergessen am Wegesrand. Dabei können historische Grenzsteine aufschlußreiche Quellen zur Orts- und Landesgeschichte sein. Wer mit den lokalgeschichtlichen Hintergründen und Zusammenhängen nicht vertraut ist, für den bleiben die manchmal erkennbaren eingemeißelten Buchstaben oder Jahreszahlen allerdings ein Rätsel. Die Stadt Nidderau will daher bei ihren Bemühungen zum Erhalt der Grenzsteine auch Informationsdefizite abbauen und Aufklärung betreiben.
Als sogenannte Kleindenkmale prägen historische Grenzsteine unsere Kulturlandschaft. Sie unterliegen den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes. Insbesondere in den Wäldern der Stadt Nidderau blieben solche verborgenen Schätze erhalten. Ihre Aufnahme in die Denkmaltopographie (Denkmalbuch) ist vorgesehen.

Zumeist sind historische Grenzsteine auch heute noch gültige Vermessungspunkte, für die das Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation zuständig ist. Seit Anfang 2005 werden in diesem Amt die Aufgaben des früheren Hessischen Landesvermessungsamtes fortgeführt. Die örtliche Zuständigkeit der vorherigen Katasterämter ist auf die Ämter für Bodenmanagement übergegangen. Aus den Katasterämtern des Main-Kinzig-Kreises und des Wetteraukreises wurde das Amt für Bodenmanagement Büdingen.

In Hessen hat das Bemühen um den Erhalt historischer Grenzsteine schon eine lange Tradition. Dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation obliegt diese Aufgabenstellung. Unverzichtbare Hilfe ist dabei ehrenamtliches, persönliches Engagement geworden. Seit rund 30 Jahren gibt es in Hessen ehrenamtliche Obleute für historische Grenzsteine. Ihre Aufgabe vor Ort ist das Erfassen, Dokumentieren und Überwachen der Grenzsteine.

Im August 2005 wurde vom Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation Günter Vollbrecht als Obmann mit der Zuständigkeit für den Bereich der Stadt Nidderau bestellt. Die Stadt Nidderau unterstützt und fördert dessen Arbeit auf vielfältige Art und Weise.
Im Jahre 2004 war schon ein erster Schritt auf dem Weg zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema historische Grenzsteine erfolgt. Unter der Regie des Vereins nutzungsberechtigter Bürger wurde im Stadtteil Windecken eine Grenzsteingalerie eingerichtet, die im August des Jahres an die Stadt Nidderau übergeben werden konnte. In der kleinen Grünanlage zwischen Ostheimer Straße und Friedrich-Ebert-Straße wird mit Grenzsteinen auf die Geschichte des Bürgerwaldes Windecken verwiesen. Originalsteine und Nachbildungen von heute noch vorhandenen Grenzsteinen, die einen Bezug zu diesem Wald haben, sind dort zu sehen. Auf einer Schautafel werden deren Markierungen erläutert.  

Die Übergabe der Grenzsteingalerie am 30. August 2004



v. l. : J. Toth, Bauhofleiter; H. Weingärtner, EAM; G. Vollbrecht, Verein nutzungsberechtigter Bürger;
G. Schultheiß, Bürgermeister; W. Schmitt, EAM; H. Dillmann, Garten- und Landschaftsbau Dillmann
Foto: Thomas Seifert (Hanauer Anzeiger)



Außer Heldenbergen gehörten historisch alle Orte, die heute Nidderauer Stadtteile sind, zur Grafschaft Hanau. Beim Aussterben der männlichen Linie der Grafen von Hanau fiel die Grafschaft 1736 infolge eines Erbvertrages an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Aus letzterer wurde 1803 das Kurfürstentum Hessen. Die ursprünglich hanauischen Orte grenzten an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, aus der 1806 das Großherzogtum Hessen wurde. Zu dessen Territorium gehörte Heldenbergen. Landesgrenzsteine aus diesen Zeiten blieben bis heute in Nidderau erhalten.

1866 wurde das Kurfürstentum Hessen von Preußen annektiert. Auch dieser Einschnitt wird heute noch durch Grenzsteine sichtbar. In dem Zusammenhang kam es zu Gebietsänderungen im Bereich des heutigen Stadtteils Erbstadt. Das Königreich Preußen trat einen kleinen Teil seiner „Neuerwerbung“ an das Großherzogtum Hessen ab. Die neue Landesgrenze wurde mit Steinen markiert, die heute noch zu sehen sind. Gleichfalls blieben an den Grenzen zu benachbarten Gemeinden Gemarkungsgrenzsteine erhalten.

Einige Beispiele mögen einen Eindruck vermitteln von den erhalten gebliebenen steinernen Zeitzeugen, die bis zu vierhundert Jahre alt sind.

Der Grenzstein wurde nach dem erhalten gebliebenen Protokoll zu dem damaligen Vorgang im Jahre 1732 gesetzt. Die Landscheider aus Windecken und Ostheim waren dabei beteiligt. Beide Orte verwalteten zu der Zeit noch gemeinsam ihren Markwald. Das WO steht für Windecken und Ostheim. Das MK auf der Gegenseite steht für Marköbel. Mit dem Friedensvertrag von 1866 trat das Königreich Preußen einen kleinen Teil des eroberten Territoriums an das Großherzogtum Hessen ab. 1867 wurde an der neuen Landesgrenze dieser Stein gesetzt. Das GE steht für Gemeinde Erbstadt und das KP für Königreich Preußen. Auf der Gegenseite ist das GH für Großherzogtum Hessen sehr gut erhalten geblieben. Die Numerierungsfolge, No 23 und No 21 , war auf der jeweiligen Landesseite unterschiedlich.
   
Nach der Annexion des Kurfürstentums Hessen ( KH ) ließ das Königreich Preußen solche Markierungen entfernen. Einige Grenzsteine wurden dabei übersehen. So auch der Stein No 42 . Auf der Gegenseite ist das GH für Großherzogtum Hessen zu erkennen. Gelegentlich findet man neben den Grenzsteinen aus dem Boden ragende Findlinge. Offenbar handelt es sich dabei um Grenzsteine aus einer früheren Zeit.

An der Grenze des Großherzogtums Hessen und des Kurfürstentums Hessen wurden 1844 diese Steine gesetzt. Nach der Annexion des Kurfürstentums im Jahre 1866 durch Preußen wurden sie verändert. Auf dem linken Bild ist über der Jahreszahl 1844 ein großflächiger Abtrag erkennbar. Das vorher dort vorhandene KH wurde abgetragen und durch das KP für das Königreich Preußen ersetzt. Das GH auf dem anderen Stein steht für Großherzogtum Hessen. Unter der Jahreszahl ist ein Abtrag erkennbar. Hier wurden die Zahlen der ursprünglichen Nummernfolge entfernt.

   
Der Grenzstein wurde 1610 gesetzt. Für die erste Zahl der Jahreszahlen wurden damals vielfach solche Zeichen verwandt. Die Null am Ende ist noch schwach erkennbar. Darüber blieb das WO für den Markwald Windecken und Ostheim erhalten. Ganz oben wurde 1866 das KP für Königreich Preußen eingemeißelt. Das dort vorher angebrachte Hanauer Wappen wurde entfernt. Der großflächige Abtrag ist noch erkennbar. Auf der Gegenseite wurde das damals noch vorhandene Wappen der Burg Friedberg ebenfalls entfernt und ein GH für Großherzogtum Hessen angebracht.
Nahezu 400 Jahre hat dieser Grenzstein alle Einwirkungen durch Natur und Mensch überstanden. Bei einer angenommenen Umtriebszeit von 120 Jahren konnte ihm die Bewirtschaftung von bis zu vier „Waldgenerationen“ nichts anhaben. In vier Jahrhunderten müssen immer wieder Menschen darauf geachtet haben, daß er nicht zu Schaden kam.


Mögliche Wege dazu sind in dem Buch „Alte Grenzsteine- Zeugen der Vergangenheit in Nidderauer Wäldern“ von Günter Vollbrecht aufgezeigt. Mit der freundlichen Genehmigung des Verlags Triga-Der Verlag in Gelnhausen wird das Kapitel „Grenzsteine bewahren“ zitiert. Lesen Sie hier weiter...

Weitere Infos finden Sie auch in der Zusammenstellung weiterer Aktivitäten